(Image: Something fishy this way comes)
Die F. hatte am Dienstag mal wieder eine Television. Eine Television in drei Teilen, um genau zu sein (trinity - geddit?). Und ausnahmsweise ging es auch mal nicht um tibetanische Mumien oder Tom Cruise, sondern um Fisch (Fisch - geddit?).
Nicht um Fisch im eigentlichen Sinne, denn der Fisch, der die F. heimsuchte, hatte weder eine Plastikverpackung noch eine glänzende Salzkruste. Und er sprach auch nicht in Rätseln oder mit der Stimme von Anke Engelke. Nein, der besagte Fisch ging viel subtiler vor. Heimlich, still und leise wie eine subliminale Botschaft aus dem Kühlregal schwamm er in ihre Gehirnströme hinein, als die F. am angreifbarsten war: Beim Fernsehen.
Eigentlich² war es auch kein Fisch, sondern ein Wal. Und da der Wal an sich ja bekanntlich sehr viel Wert darauf legt, als Säuger klassifiziert zu werden, tut die F. ihm jetzt schnell mal den Gefallen. An der metaphysischen und metaphorischen Qualität ihrer Visionen ändert das ja nix. Und wo weder Gott noch Herman Melville sich hundertprozentig sicher waren, wird die F. sich nach so langer Zeit jetzt auch nicht mehr einmischen.
(Image: fish 8)
Vision 1: Gestrandeter Wal erschlägt Japaner
Einem Pottwal soll geholfen werden, doch dieser hat Free Willy damals nicht gesehen und findet das höchst unerquicklich. Kann die F. auch verstehen, wenn man bedenkt, wie die Japaner sonst mit seinesgleichen umgehen.
Vision 2: Dr. House und der Meta-Dick
Folgendes Wortduell zwischen Dr. House und Dr. Wilson konnte man vorgestern bestaunen.
Die Ausgangslage: House verbeißt sich in die Annahme, eine einstmals verstorbene Patientin müsse dieselbe Diagnose haben wie ein sechsjähriger Junge, um dessen Leben das Ärzte-Team gerade kämpft. Wilson wirft ihm deshalb Irrationalität und Sturheit vor (weil House angeblich nur nicht verlieren kann).
Wilson: Hast du mal Moby-Dick gelesen?
House: (ironisch) Ist das ein Buch?
Wilson: Der Fall (der verstorbenen Frau) ist 10 Jahre her!
House: 12!
Wilson: Zwangsvorstellungen sind gefährlich.
House: Nur wenn ich auf einem hölzernen Kahn stehen würde und sie ein Wal wäre. Ich glaube, da bin ich außer Gefahr.
Wilson: Dir ist doch klar, dass ich das als Metapher meine?
House: Und dir ist doch klar, dass Metaphern den Zweck haben, Leute von etwas abzuschrecken, indem man ihnen weismacht, es würde etwas Schlimmeres passieren als das, was wirklich passiert? Gott, hätte ich doch eine Metapher, um das besser zu verdeutlichen.
Wilson: (typischer treudoof-zerknirschter Wilson-Blick)
House: Du kannst wieder zurück gehen. Keine Angst, dich wird schon keine Hexe auffressen.
Die F. erspart sich eine tiefere Deutung des Ganzen, weil das beim ersten Versuch damit endete, dass sie Cameron für Ismael und Cuddy für abwechselnd a) die grausame und zugleich schöne Natur, b) Amerika oder c) Moby-Dick hielt. Außerdem ist das sowieso nur für Hardcore-Fans interessant und die F. kann sich ja noch nicht mal alle Ärztenamen merken. Geschweige denn zwischen Interferon und Benzodiazepam unterscheiden.
(Aber eins würde sie doch gern wissen: War das mit der Hexe eine Wizard of Oz - Anspielung, die unserdeutschereins wieder nicht versteht?)
Vision 3: Die Pequod-Höhlen in Labyrinth der Monster
In dem Fernsehfilm LdM wollen ein paar Papierpenner ihren Wirkungsradius erweitern und verlegen ihr Fantasyrollenspiel deshalb in ein düsteres Felsloch, das als Pequod-Höhle bekannt ist. An diesem verschachtelten, dunklen Ort hat einer der Spieler ein Erlebnis, das ihn so sehr traumatisiert, dass Spielpersönlichkeit und echte Persönlichkeit bei ihm durcheinander geraten und er fortan total schizo durch die Gegend rennt und was von braven Wirtinnen, hohen Türmen und mächtigen Zaubern faselt. Ganz davon zu schweigen, dass er nebenbei das LARP erfindet.
(Image: Happy New Year!)
Irgendwie fand die F. es lustig, dass hier der Ort der Wandlung oder des Übergangs (wenn man als Literaturwissenschaftler freidenkerisch veranlagt ist, kann man fast alles als Ein-, Über- und Ausgang deuten - das ist der Vorteil gegenüber der Medizin) ausgerechnet den Namen des Schiffes trägt, das in Moby-Dick den weißen Wal verfolgt. Auch dass die “mysterious and forbidden Pequod Caverns“ der Ausgangspunkt einer wahnsinnigen Queste (nach den Türmen oder dem verlorenen Bruder) sind, war unter Umständen kein Zufall. Um näheres über die Hintergründe zu erfahren, müsste man aber wohl zuerst das fragwürdige Buch in Augenschein nehmen, auf dem der Film basiert.
*****
So, das war’s. Die F. macht sich dann mal fertig für die große Walfahrt nach Japan, wie es das Schicksal von ihr verlangt. Der Friesennerz liegt schon bereit, und auch an Knäckebrot und Plastiktüten wird es ihr auf hoher See nicht mangeln. Nur eine kleine Frage sei ihr vorsichtshalber noch gestattet: Wird Hugh Laurie auch wie versprochen den Kapitän spielen? Weil, wenn das der Tom Butterpranke macht, bleibt sie lieber gleich zuhause und brät sich über dem Lagerfeuer ein paar Fischstäbchen. Und zwar ohne Fett.
Filed under: Bücher, Fernsehen, Natur & andere Gewalten, Zitate |
Der House-Dialog war einfach großartig!